Uniform

Katharina Schnekenbühl
Uniform

 

In einer Abfolge alltäglicher Begegnungen an einer Bushaltestelle wird der selbstreferentielle Kreislauf modischer Trends vorgeführt. Zwei Bekannten treffen sich dort eines Morgens. Einer trägt einen älteren Mantel, der dem anderen sichtlich nicht gefällt. In diesem Moment fragt eines der umstehenden Mädchen: „Hey, sieht richtig gut aus! Woher hast du das?“. In den folgenden Sequenzen wird gezeigt, dass sich nun buchstäblich jeder an dem vormals ausgefallenen Stil orientiert – bis alle wieder gleich aussehen. Außer dem zweiten der beiden Bekannten, der noch in gewohnter Kleidung auf seinen Bus wartet. Inzwischen zum resignierten Außenseiter geworden, tritt plötzlich das Mädchen wieder zu ihm – und stellt exakt die gleiche Frage. In der Pointe des Kurzfilms wird deutlich: Was ursprünglich als ‚mainstream‘ und langweilig gilt, kann mit der nächsten Retro-Welle schon wieder neueste Vintage-Mode sein.

Augenzwinkernd wird so das Blickfeld über aktuelle Modetrends hinaus erweitert, humorvoll relativiert, was als hip und alternativ gilt. Vermeintliche Individualität im Kleidungsstil, heute allgegenwärtige Voraussetzung zur sozialen Selbstvermarktung, wird in wenigen Zügen demaskiert und in ihrem Gegenteil – der Uniform – persifliert. Im weitesten Sinn zeigt sich hier das große Paradox des postmodernen Hipstertums: Im Zwang zum Individualismus sind sich alle gleich. Es scheint, als müsse die permanente modische Abgrenzung zwangsweise irgendwann wieder an ihren Ursprung zurückkehren.