Stimming

Scherenschnitt auf Leuchtkasten
80 x 10 x 30cm
David Reitenbach
Stimming

 

“Stimming” – die englischsprachige Abkürzung von “self – stimulating behavior” – steht in der klinischen Psychologie für die zwanghafte Wiederholung einer Bewegung (bzw. eines Geräusches), wodurch Menschen, die an Autismus leiden, versuchen, sich zu beruhigen und andere, überfordernde Reize auszublenden. 

Worum geht es? Zu erkennen ist das Gesicht eines Kindes, noch im Vorschulalter, im Dunkeln angeleuchtet von einem überdimensionalen rechteckigen Bildschirm, der sofort an das Display eines aktuellen Smartphones erinnert. Aus dem Handy heraus strömen zahlreiche kleine Bilder, eindimensional gezeichnet, direkt auf den erschrocken und ängstlich, aber auch fasziniert und angezogen blickenden Jungen zu. Es könnte hier der Gesichtsausdruck eines Kindes, das unbewusst weiß, dass das Gesehene noch nicht für seine Augen bestimmt ist, dargestellt sein.

Unterstützt wird dieser Eindruck von unschuldiger Hilflosigkeit dadurch, dass sich das leuchtende Gerät offenbar nicht in den Händen des Jungen zu befinden scheint, sondern sich von oben herab schwebend vollkommen der Kontrolle seines vermeintlichen Besitzers entzieht. Doch sollte man trotz dieses passiven Eindrucks nicht vergessen, dass es sich paradoxerweise um ‘Selbst – Stimulation’ handelt. David wirft also die Frage auf, wie frei, wie selbstbestimmt das Individuum unter den Umständen aufwachsen kann, denen es durch permanente und omnipräsente Unterhaltung von klein auf ausgesetzt ist – und weißt zugleich auf die versteckten Gefahren und Abgründe, die sich in dieser Welt auftun: Denn es handelt sich, bei genauerer Betrachtung der einzelnen Bildchen, keineswegs nur um harmlos – humorvolle “Memes” wie das “Trollface” oder die “Grumpy – Cat” und viele mehr, sondern ebenso sind, in der Masse versteckt, das Bild eines Enthauptungsvideos des IS ebenso wie eine Szene aus einem Internetporno zu sehen.