Selfiesick

Sprühfarbe, Objekte
180 x 180
Ludwig Pfeiffer
Selfiesick

In dieser lebensgroßen Arbeit vereinigen sich drei zentrale Motive Ludwigs Schaffen: Der Einfluss moderner Kommunikationstechnologie, wie er schon in der Arbeit Infusion thematisiert wurde; die Auswüchse des Massentourismus, humorvoll zur Schau gestellt z.B. in der Touristenfalle; sowie die Verschmutzung und Zerstörung der Natur durch den Menschen (Dem Wald geweiht).

Ein pointiertes Szenario, um diese fragwürdigen Phänomene unserer Zeit komprimiert darzustellen. Hier findet ein Aufeinandertreffen verschiedenster Lebenswelten statt, die aber in einem größeren Zusammenhang miteinander verknüpft sind. Die Verbindung: beide arbeiten. Die Touristin an der Inszenierung ihrer Reise, vermutlich als ‚tolle Erfahrung‘, ‚Entspannung pur‘ oder gar ‚Selbstfindung‘ – der Müllmann beseitigt den Dreck anderer Leute (hauptsächlich wohl den der Touristen, hier schließt sich der Kreis), um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. So stehen die beiden Einzelschicksale beispielhaft für eine globalere Wechselwirkung von Reisekonsum derer, die es sich leisten können, und der prekären Dienstleistungsarbeit der Einheimischen vor Ort.

Diese Pointe wird genau im bezeichnenden Moment von der sozialkritischen Installation eingefangen. Die kompositorische Diagonale kann als Metapher gedeutet werden: Während der Selfiestick der Touristin in den Himmel ragt, befindet sich die Greifzange des Müllmanns ganz am Boden.