Riss

Aquarell, Fineliner
48 x 42 x 21
Ludwig Pfeiffer
Riss

Zwei junge Mädchen blicken schüchtern um die Ecke. Mit ängstlicher Neugier betrachten sie einen breiten Riss, der sich vertikal durch eine spießbürgerlich gemusterte Tapete zieht, die überdimensional die ganze restliche Bildfläche füllt. Was sich hinter dem Riss befindet, können sie von ihrer Position aus noch nicht erkennen. Der Raum dort ist weit und leer, verspricht Freiheit und droht mit Ungewissheit. Um ihn zu erkunden, müssten sie buchstäblich aus der Enge ihres beschränkten Rahmens ausbrechen. Ob sie das tun werden, bleibt offen.

Doch der sprichwörtliche Riss in der Fassade existiert bereits, und er lässt sich wohl nicht mehr schließen. Der Aufbruch in eine Welt, die sich jenseits ihres jetzigen Horizonts befindet, kennzeichnet den Lebensabschnitt der Pubertät, der den beiden Mädchen bevor steht. Riss kann aber auch allgemeiner als Symbol des Zerbrechens einer bis dahin als konsistent wahrgenommenen Wirklichkeit gedeutet werden.