Display Me

Multimedia
Polyethylenmaske mit Smartphone
Ludwig Pfeiffer, Josua Roters

Display Me

 

Ein Visier, das eine Vision offenbart ist das nicht. Man bekommt keinen Ausblick. Ganz im Gegenteil nimmt das Visier in diesem Fall jede Sicht – macht blind. Das Gegenüber dagegen bekommt einen Einblick. Über das Display zeigt sich das Gesicht hinter der Maske digital. Display Me ist ein Visier als Experiment. Ein Visier zur Flucht von der virtuellen Realität in die reale Virtualität. Es ist eine Maske mit der man in keine alternative digitale Welt eintaucht, sondern eine, die das Reale digital untermalt, gar verzerrt. Ein Spiel, eine Performance.

Menschen, die Display Me tragen sind körperlich präsent, ihr Fokus auf die Sinne jenseits des Sehens regt die Fantasie an, löst aber auch Orientierungslosigkeit und Unbehagen aus. Das Bewusstsein über die unmittelbare Übertragung der Mimik nach außen kommt hinzu. Reale Gefühle in einer echten Umwelt, digital verpackt. Es ist ein isoliertes Dabeisein. Wie das Kind, das sich beim Versteckspiel die Augen zuhält im Irrglauben, so nicht gesehen zu werden.

Für das Gegenüber birgt Display Me ganz andere Erfahrungen. Es steht vor einem Avatar und muss zunächst herausfinden, gehören Körper und digitales Gesicht zusammen? Ist die Übertragung live? Fragen nach der Authentizität der digitalen Selbstdarstellung eröffnen sich. Wie verzerrt ist das Display-Ich gegenüber dem, das unter der Maske steckt? Überhaupt eröffnen sich moralische Bedenken: Wie sehr dringe ich in die Privatssphäre ein, sobald ich jemanden haargenau mustere, der mich dabei nicht sieht? Auch besteht für das Gegenüber die Möglichkeit, ein Foto im Unwissen des Menschen unter dem Visier aufzunehmen.

Es ist die Begegnung und die daraus resultierenden Fragen, die das Experiment Display Me ausmachen. Es sind die Grenzen zwischen virtuell und real, zwischen der Flucht und dem Dasein, sowie dem wahren und dem digitalen Ich.